War nun das Deutsche Reich eine Art Modellstaat für Ostasien, so musste auch die Universität Leipzig in den Blickpunkt der japanischen Stipendienpolitik geraten. Allerdings, und hier findet sich eine erste Überraschung, kann die Berliner Universität weitaus mehr Studenten anlocken als ihre traditionellen Konkurrenten. Im deutschen Kaiserreich schreiben sich rund 750 Japaner an der Berliner Universität als Studenten ein – in Leipzig, München und Göttingen sind es zusammen kaum 550. Für die Leipziger Japaner ergibt sich einen weitere Abweichung: an allen vier genannten Universitäten dominieren die japanischen Medizinstudenten oder angehende Juristen – nur in Leipzig nicht. An der Leipziger Juristenfakultät schreiben sich 32 Japaner ein, an der Medizinischen Fakultät sind 41 japanische Herren immatrikuliert. Doch 84 Personen schreiben sich in der Philosophischen Fakultät ein und besuchen lieber Vorlesungen in den Wirtschafts-, Sprach- und Naturwissenschaften. Betrachtet man die Lebenswege der japanischen Studenten, so wird schnell klar, dass nur wenige direkt aus Japan nach Leipzig kamen, vielmehr haben etwa zwei Drittel bereits an einer anderen deutschen Universität studiert. Im Vergleich mit den deutschen Kommilitonen sind sie auch viel älter, fast 10 Jahre Lebenserfahrung haben sie ihren Mitstudenten voraus.

Datensätze