Kleines Fürstenkolleg

Bereits die landesherrliche Ordnung für die neugegründete Universität Leipzig von 1409 enthielt wichtige Bestimmungen für die beiden landesherrlichen Kollegienstiftungen. Das geschenkte Haus des Kleinen Kollegs zwischen Schloßgasse und Petersstraße wurde von allen städtischen Abgaben und Pflichten sowie von der städtischen Gerichtsbarkeit befreit und nach dem Willen des Landesherrn in die Universität eigegliedert. Von nun an fanden Lektionen, Disputationen und andere akademische Akte in diesem Gebäude statt. Für den universitären Betrieb entstanden Studien-, Versammlungs-, Speise- und Wohnräume sowie Schlafkammern. Mit der Vergabe einer Kollegiatenstelle war zugleich eine Lehrverpflichtung verbunden. Neben den acht Kollegiaten, die ihre Stuben oder Kammern unentgeltlich nutzen konnten, kamen gegen Miete auch andere Universitätsangehörige in der im Kollegienhaus betriebenen Burse unter. Im Jahr 1456 erfolgte der Umzug des Kleinen Kollegs in die Ritterstraße. Auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. tauschten die Mitglieder des Kleinen Kollegs ihren Grund- und Häuserbesitz mit dem der Artistenfakultät, die seit 1441 eine ehemalige Burse an der Ecke Ritterstraße / Eselsplatz als Pädagogium nutzte. Der Komplex aus mehreren Gebäuden, in dem bis zu 300 Studenten und Magister wohnten, wurde nun offiziell als Fürstenkolleg bezeichnet. Die beiden Fürstenkollegien wurden nach der Universitätsreform von 1830 aufgelöst.